Nossen - Freiberg - Moldau


Mit der offiziellen Einweihung der Bahnstrecke zwischen Döbeln und Nossen am 25.Oktober 1868 erreichte die „Eisenbahn“ die Stadt Nossen. Diese durch die Leipzig – Dresdener Eisenbahn Compagnie (LDE) gebaute und betriebene Strecke wurde am 22.Dezember 1886 bis Meißen eröffnet. Somit war ein durchgehender Verkehr zwischen Leipzig – Döbeln – Coswig – Dresden möglich. Mit der Fertigstellung dieser Linie tauchten auch Bestrebungen der LDE auf, die industriereiche Stadt Freiberg auf der Schiene mit Nossen zu verbinden. Dies geschah mit dem Baubeginn am 24.Januar 1872, mit der Strecke über Großvoigtsberg, Großschirma und Kleinwaltersdorf nach Freiberg. Die Bahn wurde am 15.Juli 1873 in Betrieb genommen. Aus dem Bahnhof Nossen entwickelte sich schnell der „Eisenbahnknoten Nossen“, denn zum 15. Oktober 1880 wurde die Strecke von Riesa – über Lommatzsch - eröffnet. Auch von Freital – über Wilsdruff – kommend, war Nossen ab dem 31.Januar 1899, wenn auch nur auf schmaler Spur angebunden. Auch die Bergstadt Freiberg war bereits seit dem 11.August 1862 von Dresden aus auf der Eisenbahn erreichbar. Am 01.März 1869 wurde die Verbindung nach Chemnitz aus in Betrieb genommen. Der weitere Bau der Strecke in Richtung Staatsgrenze wurde am 01.Dezember 1873 durch eine Konzession ermöglicht. Der Abschnitt Freiberg – Lichtenberg wurde am 08.Juli 1875 eröffnet, ihm folgte der Streckenabschnitt bis Mulda am 02.November 1875. Durch die finanzielle Schieflage der Prag – Duxer Eisenbahngesellschaft (PDE) sah sich die LDE 1875 gezwungen, den Ausbau und Betrieb der Strecke Moldau – Brüx zu übernehmen. Doch die LDE hatte sich finanziell verausgabt und die Königlich Sächsischen Staatseisenbahnen (K.S.St.Eb.) übernahmen rückwirkend zum 01.Janaur 1876 alle Strecken der LDE und betrieben diese. Zum 15.August 1876 wurde der Abschnitt zwischen Mulda und Bienenmühle in Betrieb genommen. Hier war jedoch mit dem Weiterbau nach Böhmen vorerst Schluss. Nachdem auf der böhmischen Seite die Gelder für den Weiterbau im Jahr 1883 bewilligt wurden, kam auch für den Abschnitt Bienenmühle – Moldau wieder Bewegung in den Bahnbau. Trotz des Widerstandes vor allem der sächsischen Kohlegrubenbesitzern wurde mit dem Bahnbau in Richtung Moldau im Jahr 1884 begonnen und bereits zum 06. Dezember 1884 ein provisorischer Güterverkehr aufgenommen. Am 18.Mai 1885 wurde mit dem feierlichen Eröffnungszug die durchgehende Verbindung zwischen Nossen – Moldau – Brüx in Betrieb genommen. Mit der Aufnahme des Verkehrs zwischen Böhmen und Deutschland erfüllte die Linie besonders rasch, die in sie gesetzten Erwartungen in den Güterverkehr. Auch der Ausflugsverkehr im Winter erlangte immer größere Bedeutung.Durch den Bau der Strecke wurden auch anliegende Städte/Gemeinden durch die Eisenbahn angeschlossen. So wurde am 15.Juli 1890 die Bahnstrecken von Freiberg nach Halsbrücke, sowie die Strecken Berthelsdorf – Brand-Erbisdorf – Langenau /Großhartmannsdorf eröffnet. Vom Bahnhof Mulda führte ab dem 01.Juli 1897 eine Schmalspurbahn in die Bergstadt Sayda.Mit dem Anschluss „Deutsch-böhmens“ im Oktober 1938 verkehrten einige durchlaufende Personenzüge zwischen Nossen und Brüx. Mit der Sprengung des „Lichtenberger´s Viadukt“ (Länge 165 m/Höhe 11,2 m) am 07.Mai 1945 erfolgte eine Unter-brechung auf der Strecke. Der durchgehende reguläre Verkehr nach Moldau wurde nach dem Kriegsende (08.Mai 1945) nicht wieder aufgenommen. Bis zum Ende des Jahres 1952 erfolgten noch die Bedienung eines Anschlusses in Neuhermsdorf, im direkten Bereich des Bahnhofes Moldau, sowie Militärtransporte für die Sowjetarmee. Im Frühjahr 1953 erfolgte der Rückbau der Gleisanlagen bis zum Bahnhof Hermsdorf-Rehefeld. Auf der restlichen Strecke normalisierte sich der Verkehr und passte sich den geänderten Bedingungen an. Jedoch traten weitere Veränderung ein. Durch den geplanten Verkehrsträgerwechsel wurde die Strecke Mulda – Sayda (Schmalspur) am 17.Juli 1966 stillgelegt. Am 07.Februar 1972 folgte der Streckenabschnitt zwischen Holzhau und Hermsdorf-Rehefeld und Nossen – Freital (Schmalspur). Zum 02. Dezember 1973 traf es den Abschnitt zwischen Brand-Erbisdorf – Großhartmannsdorf und am 01. Juni 1975 erfolgte die Einstellung des Personenverkehrs zwischen Freiberg und Halsbrücke. Der Personenverkehr zwischen Nossen und Freiberg wurde dadurch betroffen und so folgte am 25. September 1977 die Einstellung des Reiseverkehrs. Neben der Umstellung von Dampftraktion auf den wirtschaftlicheren Dieselbetrieb und den Einsatz moderner Fahrzeuge, änderte sich das Erscheinungsbild auch nach außen hin deutlich. Mit dem Beitritt der DDR zur BRD, am 03.Oktober 1990, und den damit verbunden wirtschaftlichen Schwierigkeiten, entstanden neue „negative“ Auswirkungen für die Strecken. Durch den starken Rückgang des Güterverkehrs erfolgte die Anpassung an den tatsächlichen Bedarf. Auf dem Abschnitt zwischen Nossen und Großvoigtsberg wurde zum 31.Dezember 1994, auf dem Abschnitt bis Großschirma, ab den 31.Dezember 1998 der Güterverkehr eingestellt. Es folgten die Strecken nach Halsbrücke zum 01.Januar 1995, sowie der Abschnitt Bienenmühle – Holzhau. Am 01.Juni 1997 wurde der Personenverkehr zwischen Berthelsdorf und Langenau eingestellt. Jedoch erfolgte zum 28. August des gleichen Jahres die "Wiederaufnahme des Zugverkehres auf der Linie Freiberg (Sachs) - Brand-Erbisdorf" zum Schuljahresbeginn. Doch nach kurzer Zeit, (23.05.1998) kam dann der endgültigen Abschied. Drei Monate später erlosch offiziell auch der Güterverkehr nach Langenau. Zum 27. Mai 2000 wurde der Reisezugverkehr zwischen Freiberg – und Holzhau durch die Deutsche Bahn eingestellt.

 

Sollte damit das letzte Kapitel im Bahnverkehr im oberen Muldental abgeschlossen sein? Nein, denn durch den Landkreis Freiberg und den Verkehrsverbund Mittelssachsen (VMS) wurde die Möglichkeit geschaffen, die Strecke Freiberg – Holzhau langfristig zu betreiben. Zwei private Gesellschaften wurden gefunden. Einmal als Infrastrukturbetreiber die RP Eisenbahn GmbH und für den Fahrbetrieb die Freiberger Eisenbahn GmbH. Seit dem 25. November 2000 verkehren wieder Züge durch das Freiberger Muldental. Mit bis zu 80 km/h Höchstgeschwindigkeit fahren moderne Triebwagen, auf einer komplett sanierten Strecke. Die Fortführung des Güterverkehres nach Weißenborn/Brand-Erbisdorf und Bienenmühle konnte dadurch gesichert werden. Auch auf dem unteren Streckenabschnitt zwischen Nossen und Freiberg ist keine vollständige Ruhe, eingetreten. Zum Getreidelager der Baywa-AG in Großschirma findet noch regelmäßig Güterverkehr statt. Trotzdem wurde die Strecke durch die DB Netz AG zur Stilllegung bzw. Übernahme durch Interessierte ausgeschrieben. Zum 5. November 2005 wurde die Strecke vom Infrasrukturunternehmen Regio Infra Service Sachsen GmbH (RISS) von der DB Netz übernommen und seitdem betrieben. Dadurch besteht weiterhin die Möglichkeit die Strecke zwischen Nossen und Freiberg mit Sonderzügen zu befahren. In Großvoigtsberg wird der ansässige Bahnhof von der Freizeitgruppe des Bahnsozialwerkes betreut. Dieses hat das gesamte Gelände 1999 unter Denkmalschutz stellen lassen. In den Räumen des Erdgeschosses, ist eine ansehnliche Ausstellung zur Eisenbahnsicherungstechnik und zur Streckengeschichte der Zellwaldbahn entstanden. Durch diese Gruppe wird auch das hist. Stellwerk 2 in Mulda betreut. Seit dem 03.Oktober 2009 besteht auch der Förderverein Zellwaldbahn e.V.,  http://www.fv-zellwaldbahn.de/ , welcher sich um die Erhaltung/Förderung und Zusammenarbeit,  unter anderen mit der IG Dampflok Nossen,  http://bwnossen.de,  entlang der Bahnstrecke Nossen - Freiberg – Moldava einsetzt.