Bf. Berthelsdorf

Als am 02.11.1875 der Abschnitt Freiberg/Sa. – Mulda feierlich durch die Leipzig – Dresdener Eisenbahn Compagnie (LDE) eröffnet wurde, erhielt auch die Gemeinde Berthelsdorf den schon lang ersehnten Bahnanschluss. Voraus gegangen waren die jahrelangen Bemühungen die industriereiche Freiberger Gegend (Verhüttung & Bergbau), an das nordböhmische Kohlerevier und das holzreiche Osterzgebirge anzuschließen. Bereits im Jahr 1867 wurde durch den Sächsischen Landtag eine Verbindung des mittelsächsischen Raum von Klingenberg nach Dux (Duchcov) in Auftrag gegeben, der nächste Landtag (1870) legte jedoch eine Linienführung von Freiberg/Sa. nach Dux (Duchcov) fest. Durch den Bau der Strecke Nossen – Freiberg ab dem Jahr 1872, wurde bereits zu dieser Zeit die Linienführung von Freiberg zur Landesgrenze nach Böhmen festgelegt. Damals stand die heutige Linienführung entlang der Freiberger Mulde ab Lichtenberg noch nicht fest, da es auch einen Projektvorschlag durch das Gimmlitztal gab.

Am 01.Dezember 1873 erhielt die LDE nach königlichem Dekret die Konzession zum Bau der Strecke bis zur Landesgrenze. Der Bau der Strecke war bis zum 05.September 1875 zu beenden!

Dieser Termin konnte durch die LDE nicht gehalten werden und im Jahr 1876 war die Gesellschaft nicht mehr in der Lage die Geschäfte auszuführen, Sie hatte sich finanziell verausgabt und die erhofften Gewinne hielten sich in Grenzen. So bot der Sächsische Staat die Übernahme all ihrer bis dahin betriebenen Strecken an. Bereits der Abschnitt zwischen Mulda und Bienenmühle wurde durch die Königlich Sächsische Staatseisenbahn am 15.August 1876 eröffnet.

Erst am 06.Dezember 1884 war die Gleislücke zwischen Bienenmühle und Moldau (Moldava) geschlossen und der Güterverkehr konnte nun zwischen dem Böhmischen Kohlerevier und Sachsen aufgenommen werden. Die Aufnahme des durchgehenden Personenverkehres auf diesem Abschnitt erfolgte zum 18.Mai 1885. Angelegt wurde die Anlage der Haltestelle „Berthelsdorf b. Brand“ direkt gegenüber dem Hüttenteich auf einer Höhe von 448 m über NN. Nach einer 5 km langen Steigung, die durch die Flure von Zug und Langenrinne führt, wurde die Haltestelle ca. 1 km vom Ortskern errichtet. Im direkten Anschluss an den Bahnhof Berthelsdorf beginnt eine 5 km lange Gefällestrecke in Richtung Lichtenberg (440 m über NN).

Mit der Gründung Papierfabrik Weißenborn durch Franz Müller und Hermann Büttner, konnte noch im selben Jahr die Grundsteinlegung der ersten Fabrikgebäude auf Flur Neuberthelsdorf erfolgen. Ein Jahr später nach der Fertigstellung der Fabrik und deren Produktionsaufnahme von Schreib- und Druckpapier im August 1871, wurde die Rechtformänderung des Werkes neu geregelt und das Fabrik in „Freiberger Papierfabrik zu Weißenborn, Aktiengesellschaft“ umbenannt. Der erste Planungsvorschlag zur Anbindung der Papierfabrik sah so aus, dass die Zweiggleisanlage an das Staatsbahnnetz, entlang der Freiberger Mulde (links des Muldenlaufes) in Richtung Lichtenberg, in der gleichnamigen Haltestelle angeschlossen werden soll. Wegen zu hoher Baukosten wurde dieser Vorschlag abgelehnt. In den folgenden Jahren gab es bei der Projektierung des Zweiggleises immer wieder Streitigkeiten mit den umliegenden Bauern, da nun die Strecke durch die südlich gelegenen Felder in Richtung der Haltestelle Berthelsdorf verlegt werden soll. Keiner der Bauern wollte für die geplante Trassenführung Land hergeben und wenn ja, dann mit einer großen Abfindung. Im Jahre 1886 begannen die ersten Vorarbeiten zum Bau der Anschlussbahn mit einer Länge von 2,9 km die eine Steigung von 1:40 besitzt und in Richtung Hst. Berthelsdorf geführt wurde. Ein Jahr später 1887 begann dann der Bau der Zweiggleisanlage und wurde im Herbst 1888 fertig gestellt, jedoch von der Papierfabrik selbst finanziert. Am 01.12.1888 konnte die Anschlussbahn von der Haltestelle Berthelsdorf in die 2,9 km entfernte Papierfabrik, mit dem ersten Zug, eröffnet.

Die kürzeste und preiswerteste Anbindung nach Brand bot sich von der Haltestelle Berthelsdorf aus an, so wurden bereist ab 1881 Vorarbeiten an einer Bahnstrecke in diese Richtung aufgenommen. Ab dem Jahr 1889 waren umfangreiche Arbeiten auf der Haltestelle Berthelsdorf und an der Strecke nach Brand notwendig und am 13.Juli 1890 erfolgte die feierliche Eröffnung der Strecken nach Großhartmannsdorf über Brand und der Strecke Brand – Langenau mit einem Sonderzug für geladene Gäste. Durch die Verbindung nach Halsbrücke konnten die abgebauten Erzeugnisse aus dem Brander- und Himmelsfürster Revier nun direkt mit der Bahn zur Verhüttung gebracht werden konnten. Durch den enorm gestiegenen Bedarf an Kohlen aus dem Böhmischen Revier und Holz aus dem Osterzgebirge und anderer Güter wurde es notwendig den bereits als Hauptbahn betriebenen Abschnitt zwischen Freiberg – Lichtenberg im Jahre 1892 zweigleisig auszubauen.

Bis zum Jahre 1916 entstand, das heute noch fast vollständig vorhandene, Ensemble des Bahnhofes mit Empfangsgebäude, Stellwerk, Güterschuppen und Beamtenwohnhäusern.

Im Jahre 1907 erhielt der Bahnhof sowie die beiden Beamtenwohnhäuser einen Anschluss an die städtische Trinkwasserleitung. Vor dem Ende des I. Weltkrieg errichtete man 1916 einen Güterschuppen, da die vorher gegebenen Einlagerungsmöglichkeiten, dem stetig steigenden Stückgutverkehr nicht mehr gewachsen waren und 1917 konnte die elektrische Beleuchtung auf Bahnhof Berthelsdorf in Betrieb genommen werden.

Der Güter- und Personenverkehr auf den Strecken nach Freiberg, Moldau, Brand-Erbisdorf, Großhartmannsdorf und Langenau entwickelte sich in den folgenden Jahren entsprechend der wirtschaftlichen Entwicklung, jedoch wurde ab 1924 der Abschnitt zwischen Berthelsdorf und Bienenmühle zu einer Nebenbahn herunter gestuft. Eine absolute Ausnahme stellte die Umleitung des D von Wien über Prag nach Berlin am 22.März 1927 dar.

Eine radikalen Einschnitt gab es am 07. Mai 1945, als sich absetzende Truppen der deutschen Wehrmacht 2 Bögen des Lichtenberger Viadukt sprengten. Dadurch war der Bahnverkehr zwischen dem oberen Muldental und dem Sudetengau nach Freiberg und Mitteldeutschland komplett unterbrochen.

Nach dem Kriegsende wurden erste Maßnahmen getroffen den teilweise zerstörten Viadukt wieder befahrbar zu machen. Nach der notdürftigen Instandsetzung des Viaduktes wurde zwischen Lichtenberg und Berthelsdorf ein Gleis wieder in Betrieb genommen, auf dem zweiten nicht mehr benötigten Gleis wurden beschädigten Lokomotiven und Wagen abgestellt. Jedoch wurde 1946 von der russischen Besatzungsmacht der Abbau (Reparationsleistung) des zweiten Gleises zwischen Freiberg und Lichtenberg beschlossen und Abbau der Gleisanlagen durchgeführt, ebenfalls davon betroffen waren div. Gleise auf dem Bahnhof in Berthelsdorf. Noch schwerwiegender machte sich die Abtrennung der Sudetendeutschen Gebiete in Böhmen bemerkbar, der grenzüberschreitende Verkehr wurde 1945 komplett eingestellt, dies hatte zur Folge das die Strecke ihre einstige Bedeutung verlor. Es wurde der Zugverkehr nur noch bis Hermsdorf-Rehefeld durchgeführt. Der Bahnverkehr normalisierte sich in den 1950iger Jahren wieder und wurde an die neu entstanden Bedingungen angepasst.

Auch der Bahnverkehr in Richtung Brand-Erbisdorf (Langenau/Großhartmannsdorf) erfuhr in dieser Zeit einen Aufschwung, jedoch gegen Ende der 1960iger wurde durch den stark aufkommenden Individualverkehr und die Konzentration der Güterladestellen, die Strecke zwischen Brand-Erbisdorf und Großhartmannsdorf stillgelegt (02.Dezember 1973) und abschnittsweise abgebaut. Auch wurde es notwendig den Viadukt über den Münzbach, zu erneuern, um auch weiterhin den gestiegenen Güterverkehr nach Brand-Erbisdorf aufrecht zu erhalten. Der Viadukt wurde zurück gebaut und durch einen Bahndamm ersetzt.

Mit dem wirtschaftlichen Niedergang nach der Währungsunion 1990 wurde es auch auf den beiden Strecken hauptsächlich im Bereich des Güterverkehrs ruhiger und der Personenverkehr den neuen Bedingungen, mit Einführung eines Taktfahrplanes ab 1998, angepasst. Doch auch dies konnte den Personenverkehr nach Langenau und Brand-Erbisdorf nicht retten und deren Einstellungen erfolgten am 31.Mai 1997 bzw. 23.Mai 1998. Ebenfalls von der Einstellung des Personenverkehrs bedroht war der Abschnitt zwischen Freiberg und Holzhau, jedoch durch ein ausgeklügeltes ÖPNV-System wurden im Jahr 2000 die Weichen für den Erhalt der Strecke gesichert. Nach der Sanierung der Strecke im Auftrag der RP Eisenbahn GmbH (Infrastrukturbetreiber) wurde am 25.11.2000 der Verkehr auf der Strecke durch die Freiberger Eisenbahn GmbH aufgenommen und in Berthelsdorf-Ort der neue Haltepunkt eingeweiht. Durch die Arbeiten an der ÖPNV-Verknüpfungsstelle (Bahn/Bus/Parkplätze) am Bahnhof Berthelsdorf im Jahr 2004 konnte am Bahnhof ein modernes Ensemble geschaffen werden.